Turnhout, Übersicht ihrer Geschichte von Raymond Peeters, Ehrenarchivleiter.
Die Funde von Silex und Urnen, und sogar ein ausgestrecktes Urnenfeld auf dem „Looi“, und auch Metallgegenstände aus der Bronzezeit sind konkrete Zeugen einer frühen Zivilisation dieser Gegend von keltischen und anderen Volksstämmen.
Als Cesars Kriegsbanden einzogen, um das Gebiet zu unterwerfen, fanden sie dort im Sumpf- und Waldgebiet nur eine sehr dünn gesähte Bevölkerung, die sie nur nach wiederholten Anstrengungen unterwerfen konnten. Nur 50 Jahre später hatten die Taxandrier sich im ehemaligen Gebiet der Menapier gefestigt.
Doch von dieser ungeschriebenen Geschichte, wovon die Bodenfunde die dazugehörigen Reliquien sind, kann man eines mit sicherheit behaupten: Es waren kulturarme Völker, die ein karges Bestehen führten ohne große Komfortansprüche. Erst zum größten Teil Jäger, später auf den wenig fruchtbaren Böden langsam evoluierend zu den an ihren Grund hängenden Landwirten.
Sehr dünn gesäht lagen die humusreichen Grundstücke, in einer Wüste von Sand und Heide, von Wald und Sumpf. Keine Bodenreichtümer gab es, und weder Flüsse noch Straßen, die den Kontakt mit Nachbargemeinden vereinfachen konnten.
Die Römer hatten offensichtlich kein besonderes Interesse an den Waldgebieten, die den Gegensatz hätten bieten müssen zur endlosen Heidelandschaft. Extrem weiche Böden und Versackungen, trughafter Murast und zäher Sand boten ihnen keine economischen oder strategische Vorteile in diesen Gegenden, die zu weit abgesondert und kaum erreichbar waren von den damaligen Zivilisationszentren, entlang der beiden nationalen Flüssen Maas und Schelde.
Vom 3ten bis zum 5ten Jahrhundert gab es zahlreiche Versuche der saalischen Franken, sich hier in diesen Grenzgebieten des unanfechtbaren Römischen Reiches zu festigen. Julian der Abfällige mußte ihnen sogar die Festigung zugestehen, im Versuch den zunehmenden Drang zu den römischen Städten, wie Tongeren und Maastricht zu entlasten.
Auf den besten Böden, in der Nähe von Wasserläufen, hat der Franke seine erste Ausbreitung unternommen, um einen dreieckigen Hof: „Biest“, „Brink“ oder „Opstal“ genannt, welche in der Mitte einen Tümpel hatte. Diese Kolonialisierung brachte einen spezifischen Charakter zu Tage, weil der Franke an erster Stelle ein Landbauer und Hirte war, der die eigentlichen Städte versuchte zu umgehen. Er kannte bereits die Schweine-, Schaf-, Bienen- und Gänsezucht, und auch den Geflügelhof!
Hornvieh war eher selten, aber die Jagd mit abgerichteten Falken oder Jagdhunden war für ihn eine zwingende Lebensnotwendigkeit. Und so findet man zu diesen Zeiten schon typische Eigenschaften, welche zumindest bis zum Ende der alten Herrschaft, eine andere Farbe verleihen werden an der Kempischen und Turnhouter Völkergemeinschaft.
Wenn wir das „Turnichalt“ des saalischen Gesetzes vergleichen, dann deutet dies auf die frühe Wichtigkeit hin, die diese Wohngemeinschaft noch vor Mitte des 5ten Jahrhunderts für die fränkische Welt bedeutete.
Die Feodalzeit, die wegen des Volksschutzes in einer chaotischen Zeit aus freien Menschen wieder Leibeigene hervorbrachte, scheint den Bewohnern der Kempen weniger Ärger besorgt zu haben. Sie sind frei geblieben, ihr schönster Reichtum trotz der Existenzbedingungen.
Im Laufe des 7ten Jahrhunderts blühte der Handel und wurde ein gleichberechtigter Betriebszweig neben der Landwirtschaft. Der Handel gab den Anstoß für die Entwicklung eines Straßennetzes. Wo wichtige Verkehrsverbindungen sich kreuzten, entstand ein Marktplatz welcher die „Kommenschaft“ und die Handwerksgilden anzogen. Dieses verstärkte sich noch, wenn dem Volk die Nähe einer schützenden Burg Sicherheit brachte.
Die vier ältesten Straßen des Stadtkerns formen ein Kreuz über das Stadtgebiet wovon der Verbindungsknoten auf dem Marktplatz gelegen ist. Die alte Straße vom Westen aus Antwerpen, führte hier vorbei nach Gelderland und Rheinland: von Diest aus dem Süden verlief die gebräuchliche Route über Turnhout in den Norden.
Der große Vorplatz und der Wandergarten des Burgschlosses, in 1110 errichtet, schlossen von der nordwestlichen Seite zum Marktgebilde an, so dass dieser unter der Obhut der Burgbewohner lag.
Die erste Vermeldung der Stadt im Mittelalter datiert von 1021, und beinhaltet die Grenzlegung und Gütertrennung von der Kirche von Utrecht.
Ab dem 12ten Jahrhundert findet man die Berthouts als Grundbesitzer, welche 1184 ihre Freigüter dem Templerorden vermachten. Es ist auch in diesem Jahrhundert, dass das kempische Land Bedeutung erringt durch die Festigung dreier Norbertinerabteien.
Und dann ist dort plötzlich, in 1212, die verheißene Tatsache, dass der Herzog von Brabant, Hendrik I, den von seinen Familienmitgliedern häufig besuchten Marktplatz zur Stadt und „Vrijheid“ ausruft.
Es muß den Turnhouter Bürgern dieser Zeit gut ergangen sein in Sachen Wohlstand, denn man stößt auf ihn in dem Bündnis der brabanter Städten, die somit untereinander Hilfe und Beistand organisierten. Dabei waren u.a. in 1261: Antwerpen, Lier, Leuven,...
Man weiß wie Antwerpen zu einer großen Handelsmetropole heranwuchs und dem älteren Brügge nach der Krone griff. Beide Städte waren durch viel befahrene Landwege mit einem anderen höchst wichtigen Handelszentrum verbunden: Köln. In 1280 war der Weg von Antwerpen in die Rheingegend über Turnhout schon in Gebrauch. Jahrhundertelang rollten lange Karawanen hin und her über diese Straße, bis die Schelde abgesperrt wurde.
Der brabanter Handelsdistrikt, unter welches das aus Turnhout einen sehr guten Ruf genoss, wurde auf dem Weltmarkt ein ernst zu nehmender Konkurrent zu dem flämischen. Als Zentrum der Kempen gibt er sogar den Ton an, da 1311 die hanseatischen Kaufleute zusammen mit den Engländern und den Lombarden hier ihren internationalen Handel trieben.
Jedoch wurde der Wohlstand des Jagdgebietes des Herzogs arg angekratzt, als in einer dunklen Nacht in 1334 oder 1336 der Geldersmann Willem van Saffenberg, die nichtsahnenden Bürger angriff und die Stadt verwüstete. Es war seine Rache gegenüber dem Herzog von Brabant, welchen er schmerzend treffen wollte in seinem Lieblings-Jagdrevier. Kaum war der Sturm vorbeigeeilt, fing der Bürger hartneckig mit dem Wiederaufbau seiner Wohlfahrt an.. Darin wurde er großzügig vom Herzog unterstützt, der ihn zusätzlich mit einem wichtigen Marktprivileg begünstigte. (1338)
Die Abgrenzung unseres Marktplatzes, wie man sie noch heute sieht, datiert wahrscheinlich noch aus dieser Wiederherstellungsperiode. Die Symbolik ihrer Zusammenstellung ist durch und durch mittelalterlich. Kirche und Rathaus stehen dort, um die Macht zum Ausdruck zu bringen – geistliche und weltliche – die in göttlicher Mission die kleine Welt der Bürger, die sich um den Marktplatz ansammelt, zu behrrschen und zu führen.
Mitte des 14ten Jahrhunderts wurde die Vrijheid und das Land von Turnhout, welches 7 Dörfer umfasste, als Hochzeitsgeschenk an Maria von Brabant, Tochter von Jan III, zu Ehren ihrer Hochzeit mit Reinout III von Gelderland abgetreten.
Das alte Schloss hat sie sorgfältig restaurieren lassen, und nachdem ihr Gatte in einem Streit mit seinem Bruder von demselben gefangen genommen wurde, wurde sie schließlich Witwe, und zog sich in ihre Burg in Turnhout zurück, um sich in Ruhe und Zurückgezogenheit besinnen zu können.
Eine fromme Legende erzählt daß sie von einer Vision getrieben wurde, unter dem Nordteil ihres Schlosses, direkt unter dem Burgwall, ein Nonnenstift zu gründen, in dem sie in 1372 eine Freistellung jeglicher Lasten gewährte.
Das Nonnenstift, sicher gelegen zwischen ihren durch schwere Stützpfeiler gefasste Wänden und breite Wassergräben, ähnelte einer Miniaturausführung der „Civitas Dei“, der Gottesstadt, wovon Christen im Mittelalter träumten. Und die mystisch angelegte Gesellschaft konnte sich dahinter in heiliger Ruhe verstecken vor der Eitelkeit der Weltlichkeit.
Maria´s Anwesenheit war ein wahrer Segen für die Vrijheid. Sie begünstigte ortsansässige Gilden mit neuen Vorrechten oder festigte durch ihre Autorität die alten. Ihren Lebensabend widmete sie einigen frommen Stiftungen; die Priorij von Corsendonk“ (1393) die in ihrem Entstehen verwandt war mit der Bewegung die der selige Jan van Ruisbroeck gründete und mit den Brüdern des gemeinen Lebens, die in der Windesheimer Stiftung mündete. Auch die Stiftung des „St.Pieterskapittel“ (1398) gehörte zu ihren Werken.
Als Maria von Brabant am Vorabend des Jahrhundertendes verstarb, war die Vrijheid zu einer Gemeinschaft mit etwa 7000 Seelen mit 1000 Wohnungen herangewachsen.
Unter burgundischer Führung
Anfang des 15ten Jahrhunderts, genauer 1405, war die Herrlichkeit in den Besitz von Antoon von Burgund übergegangen. Dieser war der Sohn von Filips der Böse und Enkel der Margaretha von Brabant.
Ihm lagen Jagd und Ritterzeit mehr am Herzen als politische Führung. Der Turnhouter Jagdverband gewährte ihm großzügig die Befriedigung seiner Jagdgelüste. Die Burg hatte ihrer Tage noch vollständig den Charakter eines mittelalterlichen Schlosses, woran er viele Verbesserungen ausführen ließ. An den vier Ecken und am Haupteingang wuchsen eindrucksvolle Türme heran. Er ließ gezahntes Mauerwerk anbringen und versah den Eingang mit einer doppelten Zugbrücke.
Wahrscheinlich gründete er hier den Rat des Horns, der jegliche Jagddelikte zu urteilen vermochte. Parallel hat er den Grundstein gelegt für den Falknerhof, die einzige Strafrechtbank in den Niederlanden für Streitigkeiten zwischen Falknern. Die Region zwischen Turnhout und Valkenswaard zählte so viele berühmte Falkner. Die Ältesten datieren von 1312 so, dass der Standort völlig gerechtfertigt war.
Unsere kempener Falkner fingen die Vögel in ihren Netzen in der Heide oder im nördlichen Gebiet. Nach der schwierigen Abrichtung zum Jagdvogel, auf welchem Gebiet sie spezialisiert waren, fanden sie erhebliches Interesse von Adligen und königlichen Höfen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal und England.
Vor allem seit seiner Hochzeit mit der luxemburgischen Erbin Elisabeth von Görlitz, war Herzog Antoon sehr oft auf seinem Kempener Schloss zuhause, wo er nicht selten die brabanter Größen zusammenrief wegen wichtiger Staatsangelegenheiten. Der Verbleib des Hofadels und dessen Gefolge gab der Stadt einen wichtigen Anschein und brachte viel hochgestochenes Gerede mit sich, sogar soweit, dass die Stadt bald den Beinamen „Klein Brüssel“ erhielt.
Dieses Gehör fand ein vorschnelles Ende, als Antoon am 25 Oktober 1415 in Azincourt gegen die Engländer fiel. Der Leichnam wurde Elisabeth von Görlitz überbracht, als sie sich auf dem Schloss gerade von einer durchstandenen Krankheit erholte.
Unter Jan IV, sein zu junger Sohn, war das reiche Leben in der beliebten Stadt von „Playsantie“ kaum zurückgegangen. Im Januar 1416, während dreier prachtvoller Festtage, wurde der neue Herr von seinen Bürgern gehuldigt und gefeiert. Nach seiner Hochzeit mit der berüchtigten Jacoba von Bayern, die er noch zu tiefst verletzen wird, führt er diese zu seiner Burg. Zu einem anderen Zeitpunkt bekommen wichtige Staatsangelegenheiten hier ihre Festlegung zum Anlass der Zusammenkunft der Staaten von Brabant in 1421 und 1436.
Da die Nachkommen des Antoon von Burgund alle früh verstarben, ging die Herrlichkeit über in den Besitz seines älteren Bruders, Filips der Gute. Turnhout wurde somit persönlicher Besitz des Hauses von Burgund. Auch er verweilte gerne im Jagdschloss, wo er seinen Ratsmann Engelbracht I von Nassau als Schlossvogt einsetzte. Im weiteren Verlauf ihrer Geschichte bleibt die Vrijheid verbunden mit dem Herrscher unserer Umgebung: mit Karl dem Bösen und seiner Gemahlin Margaretha von York; seiner Tochter Marie von Burgund; ihr Gemahl Maximilian, Kaiser des römischen Reiches, welcher keinen Besuch in den Niederlanden durchstand, ohne das Kempener Jagdrevier aufzusuchen; mit Filips dem Hübschen und schließlich mit dem populären Kaiser Karl V.
Zu diesem Zeitpunkt, Ende des 15ten Jahrhunderts und Anfang des 16ten Jahrhunderts, war die Wohlfahrt an ihrem Höhepunkt angelangt. Die künstlerische Gilde „Hebscaep“ ließ die St.Pieterskirche und die St. Bavokirche in Oud Turnhout auf seine Rechnung mit schönen Fenstern bestücken. Er errichtete 1484 die Chorgalerie mit dem rhythmischen Spiel von rein- und rausragenden Mauerflächen und Kranzkapellen, noch etwas romanisch von der Tradition her, aber kempisch in der Ausführung. Der berühmte Altarreliefschnitzer Jan Roman von Brüssel schuf ein Altarrelief und lieferte Bildhauwerke an die Hauptkirche.
Unter Habsburg
An der Burg wurden in 1508 im Auftrag der sensiblen und kultivierten Landesvogtin Martha von Östreich, die für den Kaiser Maximilian die Landesführung übernahm, wichtige Verzierungsarbeiten ausgeführt. Niemand weniger als Rombout Keldermans und Domien de Waghemakere, die beide bekannt waren als die besten Baumeister ihrer Zeit, hatte sie mit dieser Arbeit beauftragt.
Aber schon verfärbten die gelderschen Kriege die bereits zerbröckelnde Gesellschaft, die in der Reformationszeit ihr Ende fand.
1506 war es Robert de la Marck der mit Räuberhorden die Vrijheid annexierte, und sie so stark brandschatzte dass der geforderte Betrag nicht geleistet werden konnte. Der geldersche Räuber nahm eine Anzahl von angesehenen Damen als Geiseln mit nach Roermond. Ihre unversehrte Rückkehr, nachdem ein Lösegeld von 15 000 Gulden bezahlt wurde, gab Anlass dazu, ab sofort jährlich den Frauentag zu feiern.
Pest, Wassernot und Windstille, so dass die Mühlen nicht mahlen konnten, misslungene Ernten, die Unruhe, geschaffen vom ersten Auftritt der Lutheraner und die rabiate Unterdrückung erschwerten das Leben und verzögerten die economische Entfaltung um 1520-1530. Aber der St.Lucas-Jahrmarkt von 1537 war wiederum so überfüllt, dass die Lakenkaufleute sogar den Friedhof am St.Pieters für ihren Handel besetzt hatten.
Trotzdem war das Leben alles andere als einfach. Doch als Kaiser Karl V den Bürgern anbot, die Stadt zu ummauern, verweigerte der städtische Magistrat diese Ehre, mit der Erklärung, dass sie lieber die erste aller Freiheiten bleiben, als eine der letzten Städte zu werden. Vielleicht verbarg sich in dieser Antwort rationale Kaufmannsüberlegung die antizipierten, dass Befestigungen die Belagerer anziehen wie ein Magnet das Eisen, und dass Krieg nicht das gewünschte Ziel näher rücken lässt.
Anno 1542 stand der furchtbare Marten van Rossum in der Vrijheid und schikanierte mit allerhand Brutalitäten, Erpressungen und Brandschatzungen.
Anno 1545 wurde das Land und Turnhout von Kaiser Karl V für ihr Leben verschenkt an seine Schwester, Witwe und Königin von Ungarn. Dieses Geschenk war ein Zeichen der Dankbarkeit für die engagierte Gouvernante, und gleichzeitig eine brüderliche Geste wodurch die Jägerin, die Maria war, sich geschmeichelt fühlen musste.
In den kommenden Jahren ließ sie Schloss und Park zu einem Lustverbleib herrichten. Vor allem der Park mit seinen exotischen Pflanzen und seltenen Vogelarten, seinen Marmorspringbrunnen, gefertigt von Jaques du Broeucq, sorgte für ein fabelhaftes Antlitz.
Ihre famose „Libreye“ und ihre Sammlung von Wandteppichen bereicherten das Schloss- Interieur. Meist genoss sie die Gesellschaft ihrer unglücklichen Schwester Elonora, ehemalige Königin von Frankreich. Als sie 1555 die Niederlanden verließ, bedeutete das für Turnhout der Abschied von der fürstlichen Vergangenheit und der Verfall der alten Burg.
Auch für Turnhout war es 1566 ein Katastrophenjahr, als die Reformation dreist und böse die Straßen erobert. Predigten im Freien und Bildersturm, Entehrung und Verwüstung des kirchlichen Kunstreichtums, wobei ein furchtbarer Magistrat hoffnungslos zusah, formen die Posten des tragischen Bilans. Aber als dummer Vandalismus sich an die „O.L.Vrouw“ von Vosselaar ranmachte, mussten sie rapide zurückweichen für den Widerstand der Pilger. Als Alva auftauchte sind viele ausgewichen in ein neues Vaterland, was nicht ohne economisches Chaos verlief.
Zwischen Hammer und Amboss
Im dreißigjährigen Krieg lag Turnhout unbeschützt mitten zwischen den verfeindeten Fronten. Der Stillstand im Handel, die Unsicherheit, die militairen Lasten, ebenso unerträglich für Freund sowie für Feind, hatte die Bevölkerung auf weniger als die Hälfte (+-3000) schrumpfen lassen. Auf dem Lande und in den Städten waren desertierende oder meuternde Soldaten ein ständige Bedrohung. Um dieses zu bekämpfen, wurden Schützen und Gilden an die Waffen gerufen.
Anfang 1597 überfiel Prinz Mauritz die spanische Garnison, welche unter dem Befehl von Varax in der Vrijheid lagerte. In der Tielenheide wurde diese Garnison vernichtend geschlagen und ihr Anführer getötet.
Für die städtische Economie hätte es schlecht ausgesehen, wenn nicht die Weisheit der Erzherzoge in 1601, unsere Gilden und Kaufleute erlaubten den Handel mit Holland wieder auf zu nehmen. Das brachte einen Aufschwung in die Vrijheid, welcher gedeihen konnte dank des Zustandekommens des zwölfjährigen Bestandes (1609), wobei der Turnhouter Stadtsekretär, Jan Gevaerts als einer der wichtigsten Unterhändler aufttrat.
Ein Erlebnis von weitreichender Bedeutung tat sich 3 Jahre später hervor als das Stammgut von Oranien, Chalons in Burgund, getauscht wurde gegen die Vrijheid (1612) und Prinz Willem, der weiterhin katholische Bruder von Prinz Mauritz, der neue Eigentümer wurde. Leider verstarb er nur wenige Jahre später.
Da der Bestand ebenfalls keine Ruhe einbringen konnte, loderte bald wieder die Flamme des Streites. Wieder waren Söldner und Retorsion, wo sich hin und wieder noch Pestepidemien zufügten, die dunklen Löcher in dieser geplagten Region. Gegenüber dem Söldner hatte der kempener Bauer einen wilden Hass aufgebaut. Die kempener Cloveniersgilde war ein Lied gemein voller Drohungen gegen Spanier und Staatliche, und in welchem die Bauern Nachdruck legen wollten auf ihre gnadenlosen Söldnerjagden. Mit ihrer Büchse haben sie sie gejagt und wie Hühner an Ecken und Hecken erlegt.
Unter Oranien
Mit dem Münsterer Frieden (1648) kam das dreißigjährige Geschrei zur letzten Feststellung. Unter den Einzelheiten des Vertrages wurde die Schenkung des Landes und die Vrijheid von Turnhout erwähnt, als Leihgut an das Haus von Oranien. So wurde Amalia von Solms, Witwe von Frederik-Hendrik, die dritte Landesfrau. Die Lage begrüssten die Turnhouter, da sie einen hoffnungsvollen Zukunftsschimmer bietet in Sachen Handelsschutz. Bei ihrem frohen Einstand in 1649 entfaltete sich eine gewisse Gerührtheit unter den feierlichen Gilden, die ihr bis Baarle-Hertog entgegenliefen.
Amalia verbrachte hier jeden Sommer einige Monate, und empfing auch hohe Gäste. Während einer langen Bauphase, die noch fortgesetzt wurde unter ihrem Enkel Willem III, ließ sie die alte und durch Feuer verwüstete Burg, wieder prächtig und mächtig erbauen. Genau wie ihre Tochter Maria von Zimmeren, die sie auffolgen wird, wandte sie ihren ganzen Einfluss an, um den Kleinhandel zu schützen und die Vrijheid vor militärischer Belastung zu behüten.
Aber der Imperialismus von Ludwig XIV, der in Willem III seinen hartnäckigsten Gegenspieler in der europäischen Koalition findet, bringt im letzten Viertel des 17ten Jahrhunderts erneut Waffengewalt in unsere Gegenden. In 1673 kam es in der Nähe der „Priorij“ von Corsendonk zu einer harten Begegnung zwischen relativ großen Spähtruppen der Rivalen. Später sind enorme Armeen in der unmittelbaren Umgebung einquartiert, u.a. in 1702, als ein Armee von 100 000 Mann seine Lager aufschlug und die Ernten und Vorräte verschlingt.
Anno 1708 wurde die Vrijheid der Besitz des preußischen Königs Friedrich I, der beim Tod Willems III Anspruch stellte auf die Erbschaft der Oranier und dieser Gegend, und diese auch bekam.
Die östreichische Zeit
Die lange Friedenszeit der Regierung von Maria Theresia brachte alle Zweige der lokalen Wirtschaft zum Blühen. Mittels anschaulicher Steuerbefreiungen werden die treibenden Unternehmen und die Mastanpflanzung (Schweinefutter) auf dem ausgestreckten und ungewissen Böden sehr ermutigt.
Als Jozef II seiner Mutter Maria Theresia auf den Thron folgte, begann er sofort damit, seine weitgehenden Reformationspläne zu verwirklichen. Erleuchteter Disput und Febronianist, der er war, erkannte er nicht, dass er dadurch die östreichischen Niederlanden, die extrem empfindlich waren auf dieses Stück ihrer vorväterlichen Privilegien und ihrem katholischen Glauben, gegen sich aufbrachte.
Die Idee einer unabhängigen Vrijheid die überall Begeisterung weckte, war mit Ursache für die brabanter Wende.
In Zundert und Breda, in unmittelbarer Nähe zu Turnhout, wurden die Patriotenarmeen zusammengestellt, die bald das Abenteuer der Revolution wagen würden.
Das Treffen der Patrioten mit den Östreichern in den Straßen von Turnhout am 27 Oktober 1798, endete in einer östreichischen Niederlage. Dieser erste Erfolg, welcher genauso das Werk von Bürgern als von Patrioten war, hatte eine außergewöhnliche Auswirkung und führte zu neuen Erfolgen, wovon die Vorteile jedoch leider untergingen.
Neun Jahre später, Oktober 1798, sollten Stadt und Umgebung erneut das Geschehen einer Revolution sein, Bauernkrieg genannt, der in einem verbitterten und hartnäckigen Widerstand zu dem Versuch führte das Joch der Fremden ab zu werfen. Drucker Corbeels aus Turnhout, geboren in Leuven, war einer der Anführer des bewaffneten Widerstands, in welcher Rolle er bis zuletzt ein gefährlicher Gegner für die Franzosen war.
Die neue Zeit
Die napoleonistische Zeit schuf eine Wohlstand, wovon vor allem die „Tijkindustrie“ profitierte. Die Druckerei erlebte ihre erste Blütezeit unter P.J.Brepols, den jugendlichen Helfer von Corbeels der dessen Belange fortführte.
Die Straße Antwerpen-Turnhout, von der seit 1744 Pläne existieren, wurde endlich unter Napoleon aus strategischen Gründen fertiggestellt. Es war der erste und wichtigste Schritt für die Verbindung der Kempen mit der Außenwelt.
Unter dem holländischem Regime wurde Turnhout zu einem Stapellager für das nordbrabanter Hinterland. Der Länderwechsel traf die gute Position verletzend.
Die Straßenpolitik, die ab 1840 eingeläutet wurde, hatte auch ungeahnte Folgen. Der Bau neuer Straßen brachte eine Verschiebung der Belangstellungszentren mit sich, wodurch vor allem der Turnhouter Transithandel mit den umliegenden Gemeinden und Limburg betroffen war.
In den beiden letzten Kriegen ist die Stadt den Umständen entsprechend relativ gut durchgekommen. Vor allem das Befreiungsoffensiv 1944 verlief ausgezeichnet. Die Befreiung kam erst am 24 September zustande, nachdem verbitterte Kämpfe wüteten seit der Landung in Den Aert (Geel). An der anderen Seite des Kanals, welcher das nördliche Stadtgebiet trennt, wird einige Wochen später eine neue Offensive entstehen, um bis zu den gro0en Flüssen wie Maas, Waal und Rhein durchzustoßen.